Der Unfall

(Hergang rekonstruiert aus Erzählungen unserer Tochter und der Erzieherin, die uns am selben Tag das Geschehene schilderte)

 

1. Dezember 2014:

Es war ein Montag und in der Kita sollte der 1. Advent besprochen und das 1. Türchen geöffnet werden. Die Erzieherin, die allein mit 23 Kindern war, zündete eine Kerze an und stellte sie im Morgenkreis, in dem die Kinder saßen, auf den Fußboden in die Mitte der Kinder. Dann wandte sie sich von den Kindern ab um das erste Türchen zu öffnen. Für die Kinder war das offenbar das Zeichen, dass sie nun aufstehen können, was sie dann taten.

 

Auch unsere Tochter (zu diesem Zeitpunkt 3 Jahre alt) erhob sich, stand mit dem Rücken zur Kerze, wurde von einem anderen Kind weggestoßen und ihre Kleidung entzündete sich an der Kerze. Dies blieb zunächst von der Erzieherin unbemerkt bis sie von anderen Kindern darauf hingewiesen wurde.

 

Das Bereitstellen von Wasser zum Löschen wurde „versäumt“, so dass es keine Möglichkeit gab die Flammen sofort zu löschen.

 

 

Die Erzieherin versuchte das zunächst mit den Händen. Als das nicht gelang, rannte sie mit unserer Tochter, brennend, in den Flur und rief um Hilfe. Eine andere Erzieherin hörte die Schreie, kam zur Tür heraus, sah das brennende Kind und löschte die Flammen mit ihrer Jacke. Wertvolle Zeit war bis zur Löschung vergangen.

Dezember 2014 - Mai 2015:

Unsere Tochter erlitt Verbrennungen 2. und 3. Grades an 30% der Körperoberfläche. Etwa die Hälfte der Fläche musste durch Hauttransplantation wiederhergestellt werden. Sie lag die ersten Tage auf der Intensivstation da ihr Zustand lebensbedrohlich war und hat inzwischen 11 Operationen unter Vollnarkose hinter sich.

 

Bei der Akutbehandlung kam es außerdem zu Komplikationen aufgrund eines Krankenhauskeimes, was zu Wundheilungsstörungen führte. Fast 5 Monate vergingen bis die Wundheilung an den verletzten Bereichen und an den Entnahmestellen für die Hauttransplantation abgeschlossen war. Wir waren 6 Monate zu Hause bevor ein halbwegs normales Leben wieder annähernd möglich war. Wir sind auch heute weiterhin in Behandlung, machen ambulante Reha-Behandlungen, die nächsten Operationen sind in Planung.

 

Der Träger des Kindergartens, Jugendwerkstatt Frohe Zukunft e. V., hat sich bis heute in keinster Weise mit uns in Verbindung gesetzt um sich z.B. nach dem Gesundheitszustand unserer Tochter zu erkundigen oder uns Unterstützung anzubieten. Wichtiger schien es in der Öffentlichkeit den guten Ruf zu wahren und z.B. der Presse gegenüber zu behaupten, dass unsere Tochter leicht entflammbare Polyesterkleidung trug. Dies ist eine Lüge, die wohl dazu dienen sollte uns als Eltern Schuld am Unfall zu geben. Für uns ein zusätzlicher Schlag ins Gesicht.